lux//worte

// Luxemburg – hier ist man smart, hier arbeitet man hart!

Zwei Studien in Bezug auf Luxemburg sind in letzter Zeit durch den hiesigen Blätterwald gerauscht. Zum einen ist es eine von der Gewerkschaft LDGB zitierte Studie von „Robert Half Finance & Accounting“ und zum anderen eine Studie der TU Wien zur Qualität „kleinerer Großstädte“, sogenannter „Smart Cities“.

Glaubt man der Pressemitteilung der Gewerkschaft LCGB, so hat Luxemburg laut einer Studie der Arbeitsvermittlung „Robert Half Finance & Accounting“ mit durchschnittlich 47,1 Wochenstunden die höchsten Arbeitszeiten aller Finanzplätze weltweit und hängt damit Bankenplätze wie die Schweiz (36,4 Wochenstunden), New York (41,1 Wochenstunden) und London (42 Wochenstunden) locker ab.
Leider konnte ich die zitierte Studie im Internet nicht finden – man scheint sie auch nur bei der betreffenden Gewerkschaft in Luxemburg und den die Pressemitteilung widergebenden luxemburger Medien wahrgenommen zu haben. Die Ergbnisse erscheinen mir jedenfalls mehr als fragwürdig. Wie kann es beispielsweise die Schweiz auf durchschnittlich 36,4 Wochenstunden bringen, wenn dort die normale Arbeitszeit schon 42 Stunden beträgt? Auch, daß man in Luxemburg durchschnittlich länger als in London oder New York arbeitet kann ich mir – bei aller Liebe zu Luxemburg – nicht vorstellen.

Meine sehr subjektive Erfahrung von verschiedenen Bankplätzen an denen ich bereits gearbeitet habe – und auch das was ich von Bekannten und Freunden höre – ist jedenfalls eine ganz andere (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel). Im ersten Moment dachte ich mir, man hätte vielleicht die Anzahl der Urlaubstage mit den Wochenstunden vertauscht; aber vielleicht hat man auch einfach den Luxemburgern nicht gesagt, daß die Fahrt zum Arbeitsplatz und eine zweistündige Mittagspause nicht als Arbeitszeit zählen? Wie auch immer: Sollte ein Leser dieser Worte die Studie zur Hand haben, würde ich mich über die Zusendung sehr freuen! Vielleicht hat ja die Gewerkschaft einfach nur was durcheinander gebracht, weil der Chef zur Kur mußte.

Die Studie der „Smart Cities“ widerum ist frei im Internet zugänglich – sie erscheint in ihrer Aussage auch weit fundierter. Luxemburg wird hier vor allem aufgrund seiner Wirtschaftskraft auf einem hervorragendem ersten Platz geführt. Interessant fand ich zu lesen, daß in der Rubrik „Smart People“ und hier vor allem bei der Flexibilität und Kreativität Luxemburg recht schlecht abschneidet, was meine – auch wieder sehr subjektiven Erfahrungen – zum Teil bestätigt. Kreativität entsteht eben vor allem dort, wo man sich nicht sofort alles kaufen kann und auf anderem, kreativem Weg zum Ergebnis kommen muß.
Trotzdem ein tolles Ergebnis, über welches sich Luxemburg freuen kann – auf dem es sich aber bitte nicht ausruhen soll!

Links:
European Smart Cities
Pressemitteilung der Gewerkschaft LCGB (Französisch)

2 comments

  1. Die zitierte Gewerkschaft heisst nicht LGDB sondern LCGB, wie auch der Link zur Pressemitteilung verrät.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *